Sonntag, 19. September 2010

Erster deutscher Besuch

Ich hatte ja schon angekündigt, dass Veronika (Caros Cousine) und Philipp vorhatten, bei uns vorbeizuschauen. So ist es dann auch gewesen.
Zunächst sind aber Julio und ich am Freitag nach San Cristóbal gefahren, um die zweite Wohnung abzumelden, weil wir die kaum benutzen und die eher verwahrlost als irgendwas anderes. Er allein hat sie jedes Wochenende genutzt, aber wir sind eigentlich kaum in San Cristóbal und wenn dann kommt es billiger als die 100€ im Monat, sich die paar Mal ein billiges Hotel zu nehmen (pro Person zahlt man nur etwa 5€ die Nacht), das man schließlich nicht putzen muss :).
Haben die Nacht dann aber wieder in Comitán verbracht, weil Julio ja samstags arbeiten muss. Sind dann danach am Samstag los nach Tuxtla Gutierrez zum Spiel Puebla gegen Chiapas. Chiapas ist normalerweise eine ziemlich schlechte Mannschaft und Puebla ja eigentlich ziemlich gut und Julios gesammte Familia ist schon immer Puebla-Fan gewesen, doch am Samstag war's echt mies. Hatten uns beide blau-weiße Puebla-Trikots angezogen und vielen somit unter den Jaguares-Fans (Chiapas), die ein Müllabfuhr-ähnliches Orange tragen ziemlich auf. Und letztendlich hat Puebla 0-5 verloren. Das Spiel war echt mies, dabei hätte das Ergebnis eher umgekehrt sein müssen. Sind noch vor Spielende unter Buh-Rufen gegangen, hätte am liebsten das Trikot wieder ausgezogen :). Waren dann abends noch Sushi essen (diese Sushi-Kette, die ich schon in Puebla gern hatte, gibt es nur in Tuxtla Gutierrez) und dann aber recht früh ins Bett.

Am nächsten Morgen (Sonntag) sind wir dann zum Busbahnhof gefahren, wo wir Veronika und Philipp abgeholt haben. Die zwei waren schon 2 Stunden früher angekommen als geplant, aber ihre SMS war bei uns nicht angekommen (deutsche Handykarte). Wir sind erstmal frühstücken gegangen beim Einkaufszentrum, wo Julio und ich danach noch ein paar Besorgungen machen mussten (Klamotten, Küchengeräte, Kratzbaum für die Katze etc. etc.), während Veronika und Philipp in den Zoo gegangen sind, der wohl auch recht interessant war. Danach sind wir ins Nachbardort Chiapa de Corzo gefahren, wo die Rundfahrten in den Cañon del Sumidero stattfinden. Hier hatte der starke Regenfall der vergangenen Woche seine Spuren hinterlassen, das Wasser war um 6 Meter angestiegen und hatte Restaurants, die direkt am Ufer standen, überschwemmt (siehe Bild:)

Diese Bootsfahren dauern normalerweise 2 Stunden und man fährt bis in 1 km hohe Schluchten fährt, allerdings haben wir vorher noch was gegessen und ein paar Bierchen getrunken als wir erfuhren, dass das letzte solcher Boote schon um 16 Uhr fahren würde und das auch nur, wenn es sich vollständig füllen würde. Es war schon 15:50, also keine Chance mehr auf ein solches. Alternativ wurden nur noch wesentlich kürzere Fahrten zu weniger spektakulären Stellen angeboten, wozu wir uns dann entschlossen. War auch ganz lustig aber etwas schade. Ich hab ja allerdings noch öfter die Gelegenheit, endlich den Cañon zu sehen, was ich schon seit langem gerne möchte :). Bald bald - und spätestens beim nächsten Besuch :).

Sind dann wieder nach Comitán gefahren und haben die Nacht in unserer Wohnung geschlafen. Unser Gästezimmer ist somit eingeweiht worden. Am nächsten Tag ist Julio zur Arbeit gefahren, während wir anderen 3 gefrühstückt haben und dann los zu den Wasserfällen "Cascadas El Chiflón" gefahren sind. Hatte gar nicht gewusst, dass ich schon bei diesen gewesen war, ich hatte gedacht, das wären andere gewesen, wo ich schonmal gewesen bin :). Dort ist schon wieder eine ganz andere Klimazone, eher Dschungelmäßig, extrem heiß und schwül, während es hier in Comitán immer leicht windig und frisch ist, wenn man nicht in der Sonne ist. Sind hoch zum Wasserfall gestiegen, was recht anstrengend ist bei den Klimaverhältnissen und leider war der Wasserfall diesmal besonders "dampfig" oder wie man das ausdrücken mag - jedenfalls hat man nicht so viel gesehen, aber nett war's trotzdem :).

Danach gings weiter in die andere Richtung, die Pyramiden haben wir uns gespart, da wir alle nicht solche Pyramiden-Fans sind und sind gleich weiter zu den Lagos de Montebello, wo ich mittlerweile das dritte Mal war :). Dort bringt man aber auch jeden Touri hin, der nach Chiapas kommt. Wir hatten tolles Wetter, zum ersten Mal seit langem hat es nachmittags nicht geregnet, es war total sonnig und wir waren auch inzwischen wieder in unserer normalen Comitán-Klimazone, also nicht so schwül.


Haben dort dann für die Gegend typische Tacos mit "Flor de Calabaza" gegessen, so eine essbare Blume und Käse, überm Feuer gebraten. Später dann noch ne Portion frittierte Bananen mit süßer Milchsauße (so ähnlich wie Milchmädchen, nur nicht ganz so dick) :). Für mich ist es inzwischen auch wieder etwas ungewohnt geworden, mexikanisch zu essen, weil ich das in den vergangenen Wochen zu fast 100% sein gelassen habe und immer europäisch gefrühstück und gekocht hab. Nachdem wir uns etwa 10 Seen angesehen haben, gings dann wieder zurück nach Hause, wo Julio inzwischen auch wieder von der Arbeit gekommen war. Dann sind wir typisch "Comitanisch" (?) essen gegangen, Philipp hat sich sogar an "Gehirn"-Tacos gewagt und meinte, sie wären wirklich sehr lecker gewesen :). Später zu Hause noch ein paar Bier getrunken und dann gings auch schon wieder ins Bettchen. Am nächsten Morgen haben wir noch gemeinsam gefrühstückt und dann habe ich die beiden zum Busbahnhof gebracht, wo es für sie weiter nach San Cristóbal ging. War ein sehr netter und lustiger Besuch und ich freue mich schon auf den nächsten, das ist wirklich sehr angenehm und eine tolle Abwechslung :)!

Montag, 6. September 2010

Update - nach dem ersten Monat

So, tut mir Leid, aber irgendwie war es ja auch klar, dass ich mich kaum melden würde - leider kenne ich da schon die eigene (Un)Zuverlässigkeit, aber es liegt auch daran, dass Mexiko ja nichts Neues für mich darstellt und ich hier ja auch keine großen Abenteuer durchlebe, sondern versuche, so normal wie möglich zu leben, was heißt, dass es kaum berichtenswertes zu erzählen gibt.

Die Regenzeit scheint sich dem Ende zuzuneigen, die Sonne scheint wieder etwas mehr, vorher konnte man fast seine Uhr nach dem Regen stellen, denn es ging meist spätestens um 16 Uhr los mit dem Regen - und das so gut wie jeden Tag.

Was gibt es also neues zu berichten? Wir sind doch nicht in den Sportclub mit Tennis und Pool und so eingetreten, weil die Mitgliedschaft nochmal viiieeel teurer als gedacht ist (etwa 90 Euro im Monat). Das ist selbst uns, als "reiches Volk" zu viel, weil der Preis sicherlich nur zum Aussieben der Leute gedacht ist und nicht dem entspricht, was man dort zurückbekommt. Jedenfalls nicht auf mexikanischem Preis-Leistungs-Niveau. Sind jetzt in einem Fitness-Studio mit Geräten, Squash, Kursen, Spinning-Rädern (allerdings sind viele kaputt ^^) und Boxsäcken :). Ich gehe nur wegen der Kurse hin und demnächst wollen wir mal Squash ausprobieren. Kostet auch nur etwa 13€ im Monat, das ist etwas angenehmer als der teure Sport-Club :). Inzwischen weiß ich mehr über die Club- und Bar-Situation hier :). Es gibt, soweit ich das mitbekommen habe, 2 Bars, die ganz schön sind (die wir auch in Berlin mögen würden) und einen Club, den scheinbar alle toll finden, aber den Julio und ich nicht mögen (klein, voll, nur sehr sehr sehr junge Leute und halt typisch mexikanische Musik ^^). Comitan hat also diesbezüglich nicht so viel zu bieten, was schon eine Umstellung ist :). Julios Cousin ist dabei, einen Club zu eröffnen (der scheint auch nicht besser zu werden als der, den es schon gibt), aber lässt sich dabei auch reichlich Zeit :).

Ich frage mich, ob irgendwann alle daran gewöhnt sein werden, mich zu sehen. Comitan hat laut dem Lonely Planet nur 83.000 Einwohner, laut Wikipedia 122.000 (wobei sich das wahrscheinlich auf die Umgebung außerhalb der Stadtgrenzen bezieht). Das heißt, so viele Leute gibt es hier nun nicht, die sich an den Anblich, einer Blonden auf der Straße und überall sonst gewöhnen müssen. Ich werde halt hier für eine andere Spezies gehalten, man siezt mich, obwohl ich das Du anbiete, man hört auf, miteinander zu reden, wenn ich an einer Gruppe vorbeigehe, Männer grinsen mich total bescheuert an, wenn ich irgendwo reinkomme oder pfeifen mir nach - das sogar letztens, obwohl Julio gerade neben mir ging, was ihn ziemlich aufgeregt hat. Hier kennen sie keine Touristen, hier kommen keine Austauschstudenten oder Praktikanten her, hier ziehen keine Asiaten, Araber oder Afrikaner her um ein besseres Leben zu haben (^^), deswegen ist Comitan sicherlich keine Dauerlösung, aber ich denke, irgendwann wird man sich an meinen Anblick ein bisschen gewöhnt haben. In der Zwischenzeit versuche ich, mich ein bisschen locker zu machen und das ganze auf die leichte Schulter zu nehmen.

Caros Cousine plus Freund kommen nächstes Wochenende höchstwahrscheinlich her :). Die ersten Gäste in unserer Wohnung, bin schon total gespannt, was sie sagen und freue mich ungemein, auf DEUTSCHE :)!!!!! ok, deutsche gibt es wie sand am meer in san cristobal, aber leider die sorte deutsche, auf die ich gar keine lust habe (durchgeknallte hippies), deswegen wird das sicherlich TOTAL ANGENEHM :)!!!

die uni läuft ok, es ist alles sehr informativ und interessant und super strukturiert organisiert, sodass alles gerade kurz zuvor gelernte sofort praktisch angewendet oder zumindest von allen möglichen perspektiven und gesichtspunkten durchdacht und strukturiert wird. habe immer sehr viel zu lesen, sehr viele übersichten zu erarbeiten, musste letzte woche 2 direktoren interviewen und einen bericht über deren führungsstile und deren vergleich mit der bisherigen literatur schreiben. war die erste schriftliche wissenschaftliche arbeit, die ich hab schreiben müssen, julio hats durchgeguckt und nur ganz wenige kleine fehlerchen entdeckt, das erleichtert mich, denn das wissenschaftliche schreiben auf einer anderen sprache ist ja schon eine herausforderung :). wenn ich sehe, was meine kommilitonen für hausaufgaben abgeben, kommen mir die sachen auch nicht professioneller vor als meine, das tut auch gut zu sehen. die uni ist sehr übersichtlich, man findet alles, was man braucht sehr detailliert erklärt online, so zum beispiel eine 75-seitige erklärung, wie man am besten wissenschaftliche arbeiten verfasst (von der form bis hin zu inhaltlichen und strukturellen geschichten), sowas hatten wir an der FU nicht. es wird bei jeder aufgabe genaustens erklärt, wie relevant sie für die zukunft ist, wie viel gewicht sie bei der benotung hat und wie genau sie evaluiert wird. die texte bringen genau auf den punkt, was wir lernen müssen, gehen aufeinander ein, sind sehr detailliert, sehr aktuell und meist wird das gelesene dann angewendet.
jetzt hab ich viel über dieses system geschrieben, aber ich bin wirklich beeindruckt muss ich sagen und bin zuversichtlich, dass mir das studium vieles an wissen bringen wird :).

bald wollen wir auch patricia in puebla besuchen gehen, meine ehemalige mitbewohnerin, die nun dort ihre magisterarbeit schreibt, um bei ihrem dort kennen gelernten freund zu sein :). freu mich schon total darauf, julio muss nur noch fragen, ob er samstags frei kriegt, ansonsten muss ich halt alleine fahren. wir haben uns noch lange nicht satt, ich vermiss ihn sogar, wenn er gerade auf arbeit ist, deswegen wärs schön, zusammen fahren zu können :). es ist wirklich schön, endlich keinem ende entgegensehen zu müssen. kann das immernoch kaum fassen. ich hoffe, wir werden in zukunft alle entscheidungen so treffen können, dass wir auf jeden fall zusammen bleiben können. das wird priorität haben. kann mein glück immernoch kaum fassen, wenn ich daran denke, dass er bald von der arbeit in "UNSER GEMEINSAMES ZUHAUSE" kommen wird :)!!! krieg gar nicht genug von diesem gedanken :-D.
nun aber mal wieder an die arbeit :). tut mir leid, ich mache leider kaum fotos, weil ich ja erstmal die leute auf natürliche weise kennen lernen muss und mich so wenig wie möglich als touristin aufführen möchte. wenn veronika (caros cousine) und philipp (ihr freund) erstmal hier sind, mache ich hoffentlich mehr, die ich dann hier hochladen werde, versprochen (äääähm ^^).